Bonsai richtig Drahten

Das Drahten eines Bonsai gehört schon zu den Techniken für Fortgeschrittene. Sie dient dazu, den Baum eine bestimmte Wuchsrichtung und Form zu zwingen. Diese Maßnahme erfordert einiges Fachwissen und, wie so oft beim Bonsai, viel Geduld.

Wenn Sie sich auf Bildern oder in natura (Bonsai-Fachhandel, Ausstellungen) Bonsai und deren verschiedene Stilformen etwas näher betrachten, wird früher oder später eine ganz bestimmte Frage auftauchen: Wie macht der das? Genauer: Wie gelingt es dem Bonsai-Besitzer, dem Baum diese oder jene Form zu geben? Denn nur durch Schneiden wächst der Baum kaum zur Seite. Besonders markant wird dies bei der literarischen Form und bei den Wind gepeitschten Formen (Fukinagashi).

Formgebung durch gespannte Drähte

Das Geheimnis liegt in der Technik des Drahtens. Dabei wird der entsprechende Ast oder sogar der gesamte Stamm mit Hilfe von Draht gespannt und so in eine bestimmte Richtung gezogen. Es kann mehrere Monate dauern, bis der Baum diese Richtung annimmt. Dann kann der Draht wieder entfernt werden.

Problematisch ist dabei, dass der Draht in die Baumrinde einschneiden kann. Das hinterlässt dann hässliche Narben und bedeutet auch eine Wertminderung des Baums. Besonders in den Wachstumsperioden müssen die Verdrahtungen deshalb häufig kontrolliert werden. Gegebenenfalls müssen Sie den Draht dann entfernen und die Maßnahme wiederholen.

Im Gegensatz zu anderen Pflegemaßnahmen wie Umtopfen kann das Drahten das ganze Jahr über praktiziert werden. Empfohlen wird aber, Laubbäume von Frühjahr bis Spätherbst und Nadelbäume von Herbst bis Frühjahr zu drahten.

Für jeden Zweck die passende Drahtsorte und -stärke

Beim Drahten wird in der Regel Kupferdraht verwendet. Für Einsteiger empfiehlt sich Alu-Draht, da dieser leichter formbar ist. Traditionell wird der Bonsai allerdings gar nicht gedrahtet. Dies konnte sich im alten Japan kaum jemand leisten. Dort wurde mit Schnüren aus Pflanzenfasern gearbeitet.

Im Bonsai-Fachhandel erhalten Sie Kupfer- und Aluminiumdraht in verschiedenen Stärken. Der Draht sollte für den Ast weder zu dünn sein noch zu dick. Dünne Drähte können leicht einschneiden. Dickere Äste sollten Sie vor dem Drahten mit Raffiabast umwickeln, um die Rinde zu schützen. Die Drahtstärke sollt etwa ein Drittel der Aststärke betragen.

Beim Drahten wird stets von dick nach dünn gearbeitet. Also: vom Stamm zum Ast, vom dickeren zum dünneren Ast, von der Baummitte zur Astspitze, erst der dickere Draht, dann der dünnere. Der Draht wird spiralförmig um den Ast gewunden.

Wenn der gewünschte Erfolg sich eingestellt hat oder der Draht aus anderen Gründen entfernt werden muss, wird er mit der Drahtzange in den einzelnen Windungen abgekniffen. Idealerweise fallen die Drahtstücke dann von selbst ab. Auf keinen Fall sollten Sie aus Kostengründen versuchen, den Draht abzuwickeln, um ihn wiederzuverwenden. Beim Abwickeln des Drahts könnte der Ast abbrechen.

Bonsai drahten – nur etwas für Geduldige

Die Formgebung durch Drahten ist ein sehr zeitintensiver Prozess. Je nach Baum und Ziel muss der Bonsai unter Umständen mehrere Jahre gedrahtet bleiben (wobei der Draht immer wieder erneuert wird). So können durchaus 10 Jahre und mehr ins Land gehen, bis die gewünschte Form erreicht ist. Das erklärt übrigens auch den Wert entsprechender Bonsai. Sie sind meist sehr alt und werden in Japan auch innerhalb der Familie weitervererbt.

Wenn Sie vorhaben, Ihren Bonsai das erste Mal zu drahten sollten Sie sich Hilfe von einem erfahrenen Fachmann holen.